Über das Festival
Arabische Filme haben die internationale Filmlandschaft in den letzten Jahren zunehmend durch ihre Präsenz und ihre Erzählungen bereichert. Die filmischen Traditionen reichen in einigen arabischen Ländern bereits 100 Jahre zurück, während sie in anderen erst nach dem Ende der Kolonialzeit oder später entstanden. Die sprachliche, ethnische und kulturelle Heterogenität der arabischen Welt findet ihren Niederschlag auch in den Filmen und vermag so einen Beitrag zum Dialog der Kulturen zu leisten.
ALFILM – das Festival des arabischen Films in Berlin – ist aus dem Wunsch entstanden, dem thematisch und ästhetisch vielseitigen Filmschaffen der verschiedenen arabischen Länder in Deutschland eine grundlegende Plattform zu bieten. Dabei gilt es, neben bereits etablierten arabischen Filmländern, auch unbekanntere Kinematographien zu entdecken, neue Erzählstrukturen sowie Zusammenhänge und Möglichkeiten zu erschließen. Im Gespräch mit den Filmschaffenden können thematische und ästhetische Aspekte der Filme vertieft werden. Daneben bietet ALFILM auch dem Fachpublikum, Filmemachern, Produzenten und Verleihern ein Forum für künstlerischen Austausch, Kooperationen und die Entwicklung neuer Projekte.
Das ALFILM Festival wird von Cinemaiat – Freunde der Arabischen Kinemathek e.V. Berlin organisiert, und auch 2009 wieder von unseren bewährten Berliner Partnern, den Kinos Babylon und Eiszeit unterstützt sowie dem HAU – Hebbel am Ufer.
Das arabische Kino
In seiner Konzentration auf das arabische Filmschaffen möchte ALFILM den vielseitigen arabischen Kinematographien zu neuer Aufmerksamkeit und mehr Präsenz in Deutschland verhelfen, und den kulturellen Stereotypen über die arabische Welt mit originären Bildern und Geschichten aus dieser Welt begegnen.
Während Nacer Khemirs märchenhafte Reminiszenzen an ein altertümlich-pittoreskes Tunesien, die labyrinthischen Beirut-Filme von Ghassan Salhab und die absurd-komischen Farcen des palästinensischen Regisseurs Elia Suleiman seit Jahren auf internationalen Filmfestivals reüssieren, sind Filme aus Bahrain oder dem Yemen weitgehend unbekannt. Gleichwohl finden auch dort spannende gesellschaftliche Prozesse statt, mit denen sich die Autoren in ihren Filmen auch zunehmend ästhetisch freier auseinander setzen.
In den letzten Jahren zeichneten sich vielfältige neue Entwicklungen im arabischen Kino ab, das von neuen narrativen Strukturen, der sensiblen Zeichnung gesellschaftlichen Wandels sowie der Hinwendung zu psychologischen Innenwelten und bisher tabuisierten Themen geprägt ist.
ALFILM greift diese Entwicklungen auf und legt einen Schwerpunkt auf neue Spielfilme, Dokumentar- und Kurzfilme von Filmschaffenden aller arabischen Nationalitäten und möchte damit vor allem auch jungen Talenten die Gelegenheit geben, sich zu präsentieren. Zudem gibt es einen jährlich wechselnden thematischen, historischen oder regionalen Fokus, der es ermöglicht, ästhetische und gesellschaftspolitische Kontexte zu erschließen. Geplant sind u.a. Retrospektiven und künstlerische Werkschauen bedeutender arabischer Regisseure.
Die Filme
Als offizieller Festivalbeitrag kann jeder Spielfilm, Dokumentarfilm und Kurzfilm eines arabischen Regisseurs eingereicht werden, der zum Zeitpunkt des Festivals nicht älter als 3 Jahre ist. Für Filme, die dieses Kriterium nicht erfüllen gilt, dass sie thematisch dem arabischen Kulturkreis zurechenbar sind und/oder der überwiegende Teil der Dialoge auf arabisch geführt wird.
Viele der beim ALFILM Festival präsentierten Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilme sind Deutschland- oder Europa-Premieren.
Fokus 2009: Palästina
Anläßlich der Ernennung Jerusalems durch ein UNESCO-Gremium zur arabischen Kulturhauptstadt des Jahres 2009 wird der Fokus des diesjährigen ALFILM Festivals das Filmland Palästina sein. Die Vorführungen sollen einen historischen Überblick über das palästinensische Filmschaffen geben. Im Anschluß sind Podiumsgespräche mit den Filmemachern und Experten geplant.
Das palästinensische Filmschaffen nahm seinen Ausgang Ende der 1960er Jahre im Umfeld national-revolutionärer Befreiungsorganisationen. Die Filme dokumentierten das Leben der Palästinenser in den Flüchtlingslagern und heroisierten den Widerstand. Spielfilme entstanden sporadisch und beinahe ausschließlich im Exil, bis 1987 Michel Khleifis „Hochzeit in Galiläa“, eine belgische Koproduktion, als erster Spielfilm im historischen Palästina realisiert werden konnte. Mit der Rückkehr vieler gut ausgebildeter exilierter Künstler und Intellektueller Anfang der 1990er Jahre in die besetzten Gebiete erhielt auch die Filmproduktion entscheidende Impulse. So konnte sich sowohl in konventionellen als auch experimentellen Erzählformen eine hoch kodifizierte Filmsprache entwickeln, die in der selbstbewussten Visualisierung eigener Bildwelten auch eine genuin palästinensische Lebenswelt über deren Politisierung hinaus präsentiert.
